„Where are those happy days. There are so hard to find“
Als Helene Fischer und ABBA zusammen singen, bald die ganze Halle – jung und alt – dazu Thomas Gottschalk und Michelle Hunziker, ist die alte Bundesrepublik wieder da.
„Whatever happened to our love? I wish I understood. It used to be so nice. It used to be so good“
Helene Fischer mit goldenem Mikro, die Zuschauer mit dem Text auf der Großleinwand zum Mitsingen im heimeligen TV-Event.
Hier wird klar: Es gibt in diesem Land so viel mehr als nur Probleme, als erhobene Zeigefinger, Gender-Debatten und dem kollektiven Blick in die düstere Zukunft. Es gibt mehr als eine Million (vor allem ehrenamtliche) Feuerwehrleute und mindestens so viele Baggerfahrer wie Lastenfahrradler.
„Die Sendung ist von einer gewissen Grundfreundlichkeit“, sagt Thomas Gottschalk über „Wetten, dass..?“. Wer auch nur diesen Ausschnitt sieht, versteht, warum diese Sendung Fernsehdeutschland so gutgetan hat.
„Ich freue mich wahnsinnig auf den Abend, und ich lasse mir auch Zeit“, sagt Gottschalk, als er sich auf die berühmte Couch setzt. Die 2500 Zuschauer in der Messehalle hatten den 71-Jährigen mit stehendem Applaus und „Oh, wie ist das schön“-Gesang empfangen.
„Es hat sich doch das eine oder andere geändert, in der Zeit, in der ich nicht war“, sagte er zu Beginn der Sendung. Er habe viele Interviews gegeben und sei etwa gefragt worden: „Werden Sie gendern?“ Seine Antwort: „Natürlich. Wetten, die. Wetten, der. Wetten, das. Das geht doch gar nicht anders.“
Auch wurde er gefragt, ob er Angst vor einem Shitstorm habe. Die Frage sei nicht, ob er einen Shitstorm schaffe, sondern wie lange es bis dahin dauere, so Gottschalk. „Aber einem gewissen Alter sollte einem vieles egal sein. Ich kann sagen: Ich habe dieses Alter erreicht.“
In einem gold gemusterten Jacket und mit Moderatorin Michelle Hunziker an seiner Seite startet Gottschalk dann bestens gelaunt in die Show. Gemeinsam fiebern sie gleich bei der ersten Wette mit: Hund „Uno“ konnte Müll richtig in drei Tonnen sortieren.
Riesenjubel auch, als die 37-jährige Helene Fischer auf der Bühne auftaucht mit einem Song aus ihrem neuen Album „Rausch“.
Die sind wirklich alle verrückt nach Dir“, sagt Gottschalk über Fischers Fans. Die Sängerin ist – wie sie sagt – ergriffen. Statt den Babybauch betont sie mit einem ausgeschnittenen Blazer ihren Rücken. Sprechen möchte sie über ihre Schwangerschaft nicht.
Gottschalk fragt natürlich trotzdem. Weil: „Sonst heißt es morgen: „Der Gottschalk, der Trottel, der wusste gar nicht, dass die schwanger ist“. Die Zuneigung ihres Publikums empfinde sie „als absolutes Geschenk“, sagt Helene Fischer. Sie ist Wettpatin bei der Kinderwette.
Seine Schlagfertigkeit hat Gottschalk jedenfalls nicht verlernt. Mit lockeren Sprüchen sorgt er für Gelächter bei den Zuschauern und nimmt den Wettkandidaten ein wenig die Nervosität. Scherze macht er wie gewohnt gerne auf eigene Kosten und bezeichnet sich etwa als „gebrechlichen älteren Herren“.
„Wie im Fiebertraum“ fühlt sich Moderator Klaas Heufer-Umlauf bei „Wetten dass..?“. Gemeinsam mit seinem Co-Star Joko Winterscheidt liefert er sich mit Gottschalk einen Plauder-Schlagabtausch auf dem Sofa. Sie berichten von ihrer Show, in der sie Quatsch mit ernsten Themen verbinden. „Ich hab schon gesagt, den nötigen Ernst bringen Joko und Klaas mit“, sagt Gottschalk.
Zum Schluss kommt „Wetten dass..?“-Erfinder Frank Elstner auf die Bühne. „Er hat die erste Wette präsentiert und er soll auch die letzte präsentieren“, so Gottschalk. Die beiden TV-Altmeister spielten sich gekonnt die Bälle – respektive die Sprüche – zu. „Meine erste Sendung war 40 Minuten zu lang, und ich glaub‘ Du schlägst mich heute“, sagte Elstner und Gottschalk konterte: „Ich mach halt, bis wir durch sind.“
Durch waren sie da mit dem Abend noch nicht und wenn es nach Elstner geht, sollte auch „Wetten dass..?“ noch nicht durch sein. „Rede mit dem Programmdirektor vom ZDF“, fordert er seinen Nachfolger auf. Und auch Rocker Udo Lindenberg plädiert für eine Fortsetzung der Kultshow. Es sei doch „eine geile Sendung“. Und der Streamingdienst Netflix zeigt auf Twitter „Absolutes Verständnis für alle, die heute Abend lieber Fernsehen gucken #Wettendass“.
Auf die Frage, ob sich Gottschalk vorstellen könne, „Wetten dass..?“ wieder öfter zu moderieren, hatte er sich vor der Sendung bedeckt gehalten. Sollte es eine weitere Folge von „Wetten dass..?“ geben, wird allerdings nicht mehr alles sein wie früher: Gottschalk hat angekündigt, sich die blonden Locken abschneiden zu wollen.
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